Mein Name ist Carina Baumgardt, ich bin 35 Jahre alt, gelernte Physiotherapeutin, beruflich aber jetzt bei Evonik im Büro tätig.

Zum Triathlon kam ich einerseits ganz plötzlich, andererseits wurde eine gewisse Begeisterung schon vor 15 Jahren wach gekitzelt:

2003 habe ich beim Ironman Frankfurt im Rahmen meiner Ausbildung freiwillig stundenlang im Ziel geschundene Beine massiert. Damals musste ich erst mal fragen: Was, wieviel schwimmen die? Und 180 km Rad? Und einen Marathon? Das kann doch gar nicht gehen! Das würde ich nie schaffen ... 180 km, da fährt man ja mit dem Auto schon zwei Stunden! 

Die vor mir liegenden Athleten behandelte ich mit einer solchen Ehrfurcht, ging gedanklich vor jedem in die Knie und war irgendwo zwischen absoluter Bewunderung und "die spinnen doch alle". Rasierte Männerbeine, stählerne Körper, die im Ziel aber teilweise im geistigen Zustand eines Kleinkindes waren, die bei 36 Grad frierend und zitternd vor mir lagen, das hatte ich noch nie erlebt. Wie verrrückt! Wie toll! Dass ich das selbst einmal machen könnte, daran glaubte ich nicht. Triathleten, das sind doch so ganz "andere". So "krasse", war meine Meinung. 

Das war es dann aber auch erst einmal und ich blieb sportlich gesehen vorerst beim Reiten, reiste dann und die Jahre vergingen.  

Geschwommen bin ich immer und auch mal gelaufen, was eher ein planloses Joggen war. Ende 2015 kam ich zurück nach Egelsbach und in einem zufälligen Gespräch mit einer Nachbarin, darüber dass ich mich immer durch "Treibholz" (langsame Schwimmer) gestört fühlte, wurde mir der Triathlon-Schwimmkurs der VHS Langen empfohlen. Da tauchte ich dann gegen Ende des laufenden Kurses im April 2016 auf und verwunderte alle damit, dass ich KEINE Ahnung von Technik hatte, aber trotzdem ganz gut schwimmen konnte. Was ich da tat wusste ich tatsächlich nicht, ich wollte ja bloß einfach mal Platz haben zum Schwimmen ... Mittlerweile habe ich aber auch die Technik-Übungen gelernt.

Ein dort anwesender Mitschwimmer und mittlerweile sehr guter Freund brachte dann einen ganzen Hang voller Steine ins Rollen. Vor allem dadurch, dass er mir so oft gezeigt hat, was ich alles kann und er immer viel mehr an mich geglaubt hat, als ich es selbst auch nur gewagt hätte. Da der Schwimmkurs dann vorbei war, schliff er mich mit zu meiner ersten Swimnight am Langer Waldsee, wo ich wieder einmal nur dachte "Was ist denn bitte hiiiieeer los?" Ich lernte also das Freiwasserschwimmen mit Massenstart kennen, schwamm die größtmögliche Strecke und ehe ich mich versah, war ich plötzlich inmitten eines immer größer werdenden Kreises von diesen "Verrückten". Der Triathlon-Virus war ausgebrochen. Ich meldete mich zum Frankfurt City Triathlon zur olympischen Distanz an, den ich mit 2:53 h finishen konnte. Das schien mir ganz schön viel Organisation rundherum für so ein bisschen Sport. Also war ich gedanklich schon bei der Mitteldistanz - das könnte man ja im kommenden Jahr mal versuchen. Aber der Stein rollte bereits zu schnell. Ende August lief ich meinen ersten Halbmarathon in Egelsbach mit gerade noch unter 2 h. Nur sieben Tage später stand ich auch schon an der Startlinie meiner ersten Mitteldistanz, der Challenge Walchsee in Österreich. Ich kam mit 6:04 h ins Ziel und hatte dabei einfach nur jede Menge Spaß. Kaum wieder zu Hause, bot eine Teamkollegin ihren Startplatz zum Frankfurt Marathon an. Was solls, das geht jetzt auch noch, dachte ich und lief also im Jahr 2016 auch noch meine Marathon-Premiere. Ich benötigte 4:18 h, war damit für meinen ersten Start aber ganz zufrieden. 

2017 folgten nach so verrückten Einlagen wie dem 100x100 m Schwimmen (ja, das sind 10 km) dann der Halbmarathon in Frankfurt, Ironman 70.3 Kraichgau, Heinerman, die Mitteldistanz beim FCT, der Ironman 70.3 Rügen und wieder der Frankfurt Marathon. Einige dieser Wettkämpfe waren nicht ganz so erfolgreich. Im Kraichgau machten mir die Höhenmeter auf der Radstrecke und die Hitze zu schaffen, zudem hatte ich quasi nichts gegessen. Der FCT lief dagegen wieder ungalublich gut, mit einer Zielzeit von 4:54:56 h. Beim Ironman auf Rügen hatte ich wieder viel zu wenig gegessen und nach dem Radfahren verließen mich die Kräfte. Dann wurde ich auch noch von einer Wespe gestochen und schaffte es nur mir sehr viel Mühe noch unter 6 h ins Ziel. Bei Marathon hatte ich noch mit einer Resterkältung zu tun und kam somit auf eine enttäuschende Zielzeit von 4:27 h. Gerade die schlechten Wettkämpfe sind allerdings auch die lehrreichsten gewesen. Dennoch hatte ich bei allen Rennen Spaß und ließ mich nicht davon abhalten, mich im Juli für den Ironman Frankfurt 2018 anzumelden. 

Das Jahr 2018 lief bisher erfolgreich. Im März lief ich leicht angeschlagen meinen bislang schnellsten Halbmarathon (auch wenn es keine Superzeit ist) und den Ironman 70.3 im Kraichgau konnte ich dieses Jahr trotz Radpanne mit 5:55 h finishen, was eine Verbesserung zum Vorjahr von einer halben Stunde, ohne die Radpanne von 40 Minuten bedeutete. Der Formtest stimmt also und ich habe richtig "Bock".

Und nun steht er auch schon vor der Tür. Der Ironman. Das Ding mit den "Krassen". Irgendwie immer noch unglaublich, hier an den Start zu gehen. Eine von denen zu sein, die ich immer so bewundert habe. Ich habe viel für diesen Traum trainiert und bin gespannt, wie es wird.

Ich werde keine bestimmte Zielzeit anstreben, sondern starten getreu dem Motto "Das Ziel ist das Ziel". Also lebend ankommen. Mein Plan ist: es langsam angehen und nicht überpacken, mich selbst ermahnen, genügend zu essen und vor allem eins: Spaß dabei haben. Schön wäre es, nicht den allerletzten Platz in der Altersklasse zu machen, aber wie gesagt, wenn ich ins Ziel komme, bin ich stolz, unabhängig von der Zielzeit. 

Ergebnisse 2018:

  • Ironman70.3 Kraichgau (1,9/90,1/21,1): 5:55:42 h

Ergebnisse 2017: 

  • Ironman70.3 Kraichgau (1,9/90,1/21,1): 6:24:46 h
  • Heinerman (1,5/50/10): 3:08:06 h
  • FCT Mitteldistanz (2/80/20): 4:54:56 h
  • Ironman70.3 Rügen (1,9/90,1/21,1): 5:59:14 h

Ergebnisse 2016: 

  • Frankfurt City Triathlon (1,5/45/10): 2:53:36 h
  • Challenge Walchsee (1,9/90/21): 6:04:29 h